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In Zeiten von Klimawandel mit Dürren, Starkregen, Zunahme von Hitze, Wind usw., und besorgniserregender Massenextinktion, Steinwüsten und "englischen Rasen", sollte man meinen, dass Städte, Gemeinden, Kommunen Vorreiter sind in Sachen Gestaltung der öffentlichen Grünflächen, Gestaltung im Sinne von Chancen für mehr Artenvielfalt, Biodiversität, Nischen schaffen, heimische Wildkräuter fördern, Hecken anlegen, usw.

Stattdessen (überall wohl das gleiche) trostlose Bild: im Wochentakt bis fast unter die Grasnarbe abgemetzelte Grünflächen, Alibi-Blühstreifen mit repräsentativen, großblütigen, oft nicht-heimischen Blühpflanzen, die Generalisten wie der Honigbiene Nektar/Pollen liefern, aber sonst kaum ökologischen Wert besitzen. Gerne angelegt auf winzigen Verkehrsinseln, mitten auf den Kreuzungen. WENN da eine Wildbiene den Weg hin findet, wird sie spätestens auf dem Rückweg von Autos erwischt. Die meisten Wildbienenarten fliegen nicht mehr als 200-300m um ihren Nistplatz herum entfernt, um auf Futtersuche zu gehen, da kann man sich vorstellen, dass die drei Blühstreifen in der Stadt kaum ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Das sind die Anstrengungen der Kommunen, um gegen über 75% Insektensterben (und mit ihnen die Gartenvögel, Igel, Maulwürfe, Spitzmäuse, kleine Greifvögel, Fledermäuse, Eichhörnchen,...) vorzugehen (oder was weiß ich, was das sein soll).

Aber gleichzeitig werden alle Grünflächen, egal, was darauf wächst, blüht, wer dort lebt, so dermaßen kurz gemäht, dass außer Wurzelfilz und durchscheineder Erde kaum noch was über ist. Der Rasenschnitt bleibt in klumpigen, teilweise bis 15cm dicken Placken obenauf liegen. Darunter modert und gammelt es, die Pflanzen (auch Gräser) sterben ab oder erholen sich nur sehr langsam.

Eine riesige Sauerei. 

Wertvolles Totholz (ob alte Obstbäume in den Gräften, abgestorbene Äste oder geschnittenes Holz) bleibt nirgends liegen, sondern wird vor Ort gehäckselt oder abtransportiert. Auch da, wo Platz wäre, um es zur Seite zu räumen und verrotten zu lassen und wo es als Lebensraum für allerlei Insekten dienen könnte. Laub wird nicht unter Büsche und Hecken gefegt, um dort zum Aufbau der Humusschicht beitragen zu können, sondern im Herbst beinahe täglich unter höchster Lärmbelästigung hin und her geblasen und weg gesaugt.

Die Hecken und Gebüsche wurden besonders dieses Jahr teilweise über hunderte von Metern einfach kahlgeschlagen, da stand nichts mehr. Keine Verstecke für Vögel, keine halbwegs sicheren Nistplätze.

Es wird jedes Jahr schlimmer, mehr Kahlschlag, kürzere Mähabstände, Mähen mitten in blühende Wildkräuterwiesen, grundloser Abschlag von kleinen Gebüschen, Hecken, ohne Ersatz.

Gleichzeitig breiten sich extremst invasive und für die heimische Fauna schädliche Neophyten wie Essigbäume, Japanischer Knöterich, Blauglockenbaum, Kanadisches Berufekraut und Kanadische Goldrute ungehindert aus, bzw. ihre Verbreitung wird durch undurchdachte, planlose, nicht nachhaltige Bearbeitung (Beispiel jap. Knöterich: öfter abmähen, aber Schnitt liegen lassen...) noch gefördert.

Dieser Blog dient für mich als Plattform, das alles festzuhalten, mir ein bisschen den angesammelten Frust und Ärger von der Seele zu schreiben, denn an die Verantwortlichen, die Kommunalbetriebe der Stadt und des Kreises Soest, kommt man nicht ran. Wenn jemand dazu Ideen hat, bitte gerne mitteilen.

Bilder kommen auch.


Ich verzweifel, wenn ich daran denke, was für eine Welt wir unseren Kindern hinterlassen, eine von uns abgetötete, verarmte Welt.





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